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Gesundheit für Webworker

Was ich zu meiner Session an dem ersten Tag auf dem fbcamp noch zusammenfassen wollte….

Wir haben am Freitag gesprochen über alle wichtigen gesundheitlichen Aspekte des Berufes Webworker (ich nenne das jetzt mal so, es könnte auch heißen Social Media oder Community Manager, Entwickler und Marketeer).

Um was geht’s

Im Wesentlichen ging es um die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen, die das lange Sitzen auf schlechten Stühlen (links ein Beispiel von einem Hamburger Startup) und an unverstellbaren Tischen, schlecht ausgeleuchteten Arbeitsplätzen, wenig Bewegung und Verspannungen, die zu schweren Blockaden und Rückenproblemen führen können. Viele von uns leiden unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen – verursacht durch die ungesunden Arbeitsplätze.

Erfolgreiche Social Media BeratungUnd das leidige Problem mit sich verschlechternden Augen (Überanstrengung z.B. durch schlecht platzierte und billige Monitore) und dem zunehmenden Problem von SehnenscheidenentzündungenSmartphonedaumen, Handynacken und Maushand.

Denn, so lustig das jetzt vielleicht klingt – dadurch kann unsereiner schnell berufsunfähig werden. Was wollen wir denn wohl alternativ tun, wenn wir monatelang in Gips oder komplett tippunfähig werden?

„Vermeiden Sie, was wehtut! Bei akuten Schmerzen helfen entzündungshemmende Mittel wie Salbenverbände, Spritzen oder schmerzstillende Tabletten. „Ich bin ein Freund von Naturheilkunde. Retterspitz-Umschläge helfen bei Sehnenentzündungen ganz wunderbar“, sagt Lüke. Wenn der Schmerz nach einer Woche nicht weg ist, sollte man aber auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Der verschreibt in der Regel Bandagen aus dem Sanitätshaus, die helfen, die schmerzende Bewegung zu vermeiden. „Wir empfehlen eine Mittelhand-Daumen-Orthese. Die Bandagen gibt es in einfacher Ausführung, können aber bei Bedarf für die dauerhafte Versorgung auch nach Maß angefertigt werden, aus Gießharz, Polyester oder für den gehobenen Anspruch aus Silikon“, sagt Marcus Maas vom Sanitätshaus Stolle.“ (aus: Hamburger Abendblatt, Wenn das Handy den Daumen quält)

Der Zeitdruck und die ständige mentale Belastung tut ihr übriges – aber darauf sind wir dann an dem Samstag in der Session Burn Out durch Always On? vertiefend eingegangen.

Ok, aber genug gejammert: Wir haben auf dem Camp beschlossen, dass wir hier mal sammeln, was es an Gegenmaßnahmen gibt und damit würde ich jetzt gerne starten. In der Hoffnung, dass ihr eure Tipps, Produkte, Links, Buchtipps und Kontakte zum Thema mit uns teilt.

Dabei möchte ich sagen, dass ich zwar 16 Jahre als Krankenschwester gearbeitet habe und über etwas Grundwissen verfüge, ansonsten aber sehr auf die  Ergänzungen von Physiotherapeuten, Optiker und Arbeitsplatz- sowie Beleuchtungsexperten hoffe.

Was tun?

  1. Lichtquellen im Büro optimieren. Bei Anzeichen von Winterdepressionen helfen oft Tageslichtlampen (mit mind. 10000 Lux)
  2. Höhenverstellbare Tische und Stühle nutzen, wenn möglich, diese gut einstellen
  3. Sehr gut als Bürostuhlalternative sind Sitzbälle und Stehhilfen, denkbar sind auch Rückeneinlagen
  4. Augentraining angewöhnen: Alle 20 Minuten, einmal für einige Sekunden woanders hinsehen – damit das Auge andere Entfernungen fokussieren kann, dies entspannt die Augenmuskulatur
  5. Zwischendurch immer mal wieder aufstehen (z.B. zum Telefonieren, wenn möglich) und bewegen, Treppen statt Fahrstuhl. Gerade bei Stress ist Bewegung wichtig
  6. Frische Luft und Tageslicht zwischendurch
  7. Gezielte Übungen, die der nach vorne gebeugten Muskulatur entgegenwirken: Stecken, lang machen, tief durchatmen, Schultern, Arme, Hände, Finger lockern. Dehnübungen dort, wo sonst Bewegungen nach innen überwiegen (z.B. Daumen nach außen strecken, immer so, wie es als angenehm empfunden wird). Mir haben nach außen drehende Kreisbewegungen der Schulter, Ellenbogen, Hand- und vor allem: Daumgelenke geholfen
  8. Bei ersten Beschwerden unbedingt einen Facharzttermin machen und beraten lassen
  9. Auf die Qualität und Position von Monitor achten – notfalls auswechseln! Laptops liegen meist zu tief
  10. Auf eine gute und ergonomische Tastatur achten (es braucht manchmal eine Gewöhnungsphase), Gelkissen oder spezielle Auflagen können helfen. Ja, das bedeutet auch, nicht immer alles auf dem Laptop zu machen, sondern Tastatur und Maus zuzuschalten
  11. Bei der Smartphonenutzung darauf achten, dass man unterschiedliche Hände, Finger und Positionen benutzt, z.B. den Zeigefinger zum scrollen statt dem Daumen (gerade die iPhones verführen dazu immer alles mit dem Daumen zu machen!)
  12. Drucker sollten nicht neben dem Arbeitsplatz stehen
  13. Handys nachts aus- oder auf stummschalten und am besten nicht direkt am Kopfende platzieren
  14. Jede Art von einseitiger Körperhaltung über längere Zeit sollte vermieden werden – je mehr Stress man hat, umso wichtiger ist dies!
  15. Eine gesunde Ernährung ist gerade bei bewegungsarmen Jobs wichtig. Dabei ausreichend trinken (am besten gleich die 1,5 Literflasche auf den Schreibtisch stellen und sie täglich leertrinken)
  16. Wie man inzwischen weiß, gibt es Menschen, die früh oder spät besonders gut arbeiten können – deswegen lohnt es sich für jeden Arbeitgeber, über die Möglichkeiten von Gleitzeit nachzudenken. Angeregt werden muss dies allerdings vielerorts durch engagierte Mitarbeiter
  17. Generell empfehle ich, den allgegenwärtigen Social Media und Büro-Noise so weit zu reduzieren, wie es möglich ist. Mehr Tipps dazu findet ihr hier.

Tut euch den Gefallen

Geht einmal mit offenen Augen durch euer Büro und euren Arbeitstag (der fängt ja meist schon morgens mit dem Griff zum Smartphone an, oder?). Beobachtet mal, was euch gut tut und ändert, was euch stört.

Und ja, nicht immer können wir unsere Arbeitgeber überzeugen und nicht immer kann der Freelancer sich einen superergonomischen Bürostuhl für 1000 Euro leisten. Aber oftmals lassen sich bereits durch kleine Veränderungen und einfache Produkte große Wirkungen erzeugen. Wir müssen uns nur selbst wichtig genug nehmen und uns auch mal gewisse Auszeiten gönnen.

Und ganz ehrlich

Wenn euer Arbeitgeber sich null dafür interessiert, dann sucht euch einen besseren Job!

Denn, wie eine Teilnehmerin sagte: „Wie sehen wir wohl alle mit 70 aus, wie geht es uns da? Geistig fit, aber körperlich total kaputt – uns fehlt einfach die Ausgewogenheit und Bewegung. – Wenn wir jetzt schon die ersten Beschwerden spüren, was denken wir denn, das geht ja nicht von alleine wieder weg!“

Allerdings muss ich zur Ehrenrettung der Arbeitgeber erwähnen: Oftmals gibt es wunderbar ergonomische Arbeitsplätze im Büro, aber wir arbeiten viele von uns zu gerne mit Lappi und Handy in der Sitzecke oder im Café. Weil wir es können! Auch wenn es nicht gut für uns ist.

Argumentation

Übrigens lassen sich im Web zahlreiche Studien finden, wie stark eine gute Beleuchtung, ergonomische Arbeitsplätze, ausreichend Pausen mit Bewegung und vernünftiges Essen und ausreichend Getränke Einfluss nehmen auf die Konzentration, Arbeitsleistung, Mitarbeiterzufriedenheit und Krankenstand. Die genannten Punkte kann man bei der Argumentation gegenüber dem Chef für gesündere Arbeitsplätze gut anführen.

Diese Liste lässt sich sicher noch erweitern und ich bitte euch ausdrücklich um Ergänzungen!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und carpe diem!

  • Hi Silke, ein wunderbarer Artikel. Bei uns bekommen alle Mitarbeiter die möchten eine PC Brille (http://www.gunnars.com/). So komisch das jetzt vielleicht klingt, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Brillen einfach genial sind. Weniger angespannte Augen, weniger Ermüdungserscheinungen und man ist am Ende des Arbeitstages einfach nicht so durch, wie man es vielleicht gewohnt ist. Auf Dauer definitiv ein lohnendes Investment, für alle die ihr halbes Leben vorm Bildschirm verbringen 😉

    Grüße
    David

    • Vielen Dank, David!
      Ich habe neulich lange nach dem Link zu der Brille gesucht. Zu gerne würde ich so eine Brille einmal testen – vielleicht auch auf einem Barcamp (carpediemcamp, healthcarecamp, fbcamp?).

      Hast du Kontakte zu der Firma, einen Ansprechpartner?

      Herzliche Grüße
      Silke

  • Wobei die oben aufgeführten Vitra Chairs wunderbare Konferenzsessel darstellen. Am Arbeitsplatz aber haben die Nichts zu suchen. Guter Artikel mit wichtigen Verweisen auf Arbeitsschutzmaßnahmen.

  • Pingback: Fazit zum zweiten fbcamp « Barcamps & Andere Events « DialogArtists()

  • Ein nicht zu unterschätzendes Thema, dies viel zu selten aufgegriffen wird. Deshalb schon mal ein Danke dafür. Ich pflege jetzt knapp zehn Jahre diesen Arbeitsstil und musste seit letztem Jahr eine Verschlechterung meiner Sehleistung feststellen. Von Verspannungen, permanent entzündeten Augen, Rücken- und Handgelenksschmerzen mal ganz abgesehen.

    Mir hat Bewegung sehr viel geholfen. Nach einem halben Arbeitstag lege ich jetzt eine längere Pause für Joggen, Schwimmen oder auch nur spazieren gehen ein. Das wirkt Wunder! Wenn ich mich dann wieder an den Rechner setze, ist der Kopf frei und der Körper entspannt. Wir sind einfach nicht dafür konzipiert, einen großen Teil des Tages in fast immer der gleichen Stellung zu verweilen…

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