Barcamps kosten Geld

Und Barcamps kosten Geld

Da ich immer wieder mal hinter vorgehaltener Hand danach gefragt werde, möchte ich mich nun auch noch einmal äußern zu dem Thema „Warum nehmt ihr für die Barcamps Geld von den Teilnehmern?“.

Die Antwort ist einfach: Weil Barcamps Geld kosten.Barcamps

In den Anfangsjahren war üblich, dass Barcamps grundsätzlich kostenfrei sind für die Teilnehmer. Denn grundsätzlich sollte jeder Interessierte teilnehmen können. Für die großen und allgemeinen Barcamps gilt dies häufig immer noch, wobei selbst Traditionscamps wie das Barcamp Hamburg mittlerweile und aus gutem Grunde eine Art Schutzgebühr nehmen. Inzwischen verändert sich die Barcamp-Szene und der Trend geht hin zu kleineren und themenspezifischeren, aber nicht weniger ergiebigen Barcamps. Ich begrüße das sehr, denn, wie Jan Theofel einmal sagte:

„Ich kann dieses Format nicht nicht weiterentwickeln.“

Es wird mittlerweile von „Schutzgeld“ gesprochen oder von „Teilnehmergebühren“. Und ja, es gibt leider Veranstalter, die sich überhaupt nicht mehr um den „wahren Barcampgedanken“ (wen es das überhaupt gibt!) kümmern, und einfach eine Gelegenheit sehen, ihre Konferenzen unter dem Deckmantel der Adhoc Konferenz zu vermarkten.

Davon möchte ich mich klar distanzieren. Grundlegend für mich ist aber nicht die kostenfreie Teilnahme, sondern die Art der Vorbereitung, Kommunikation, Event-Durchführung und das Versprechen, welches wir als Organisatoren geben.

Die kostenfreien Barcamps haben meines Erachtens zu einer Art Barcamp-Tourismus geführt, der die Scharen von Onlinern von einer Stadt in die andere bewegt. Dort kann man Onlinerfreunde treffen, essen, trinken, feiern und wird beschenkt von den Sponsoren. Alles für umme. Diese Unkonferenzen ermöglichen theoretisch jedem die Teilnahme. Theoretisch deswegen – weil man immer noch Reise- und Unterbringungskosten haben wird und zudem dem Anmeldungsansturm der kostenfreien Camps bewältigen muss.

Zu oft wird vergessen, dass hier bereits eine Vorselektion stattfindet. 

Die letzten Barcamps meiner Teams waren innerhalb von 6 Minuten ausverkauft. Den Nicht-Onlinern oder Neulingen bleiben höchstens Nachrückerplätze. Die übrigens oft nicht freigegeben werden, weil „vergessen“, „verschusselt“ oder „verhindert“. Manche tragen sich sogar aus Marketinggründen überall ein – um sichtbar zu sein – und kommen dann nicht. Na, Danke! 

Dieser Hype der kostenfreien Veranstaltung wiederum führte zu teilweise abstrusen No Show Raten (von bis zu 50%), welche Sponsoren und Veranstalter nicht nur verärgern, sondern anderen wirklich Interessierten die Plätze rauben und dazu führen, dass am Ende Essen weggeworfen werden muss und die Veranstalter Erklärungsnot geraten. Darüber wird in der Szene allerdings selten gesprochen. Man will die Sponsoren nicht verprellen, und so lange die Medienreichweite erreicht wird, ist ja alles gut.

Aber nicht für Themencamps!

Hier zieht nicht zwangsläufig das Onliner Volk vorbei, welches locker für den entsprechendem Media Hype sorgt und einen auf Twitter in die Trending Topics bringt. Bei der Planung von Themencamps spricht man neue Menschen handverlesen an, um diese an der wunderbaren Idee des Barcamp teilhaben zu lassen. Ja, auch diese wollen wir erreichen und ja, wir wollen mehr Dialog auf Augenhöhe, Interaktion und Wissensmehrung für jedermann. Und damit das möglich wird, nehmen wir so viel Teilnahmegebühr, wie es eben erforderlich ist.

Sponsoren sind für kleinere Formate weit schwerer zu gewinnen. Die Qualität und der Wert, sich für ein Thema einzubringen, erschließt sich ja häufig erst auf oder nach dem Event. Es gibt wenig, worauf man verweisen kann und die Orga muss hier jederzeit perfekt und zielgruppengerecht kommunizieren, stets der Taktgeber sein. Oftmals interessiert sich eine andere Zielgruppe für das Barcamp, als ursprünglich erwartet.

Der normale Barcampgänger ist sich zudem nicht immer bewusst, was an Kosten und Arbeit hinter so einer Veranstaltung steckt: Die Orga geht in die Gewährleistung, dass die Räume bezahlt werden, bezahlt die Veranstaltungsversicherung, kauft Materialien und gibt zahlreiche Druckaufträge in Arbeit. Das Catering wird gebucht und muss bezahlt werden. Von der schon lange vor dem Event bis lange nach dem Event investierten Zeit und nennenswerten Fahr-, Porto, Hotel-  und Telefonkosten mal ganz abgesehen. Damit wären die wichtigsten Kostenfaktoren genannt.

An bestimmten Grundsätzen sollte nicht gerüttelt werden

Jeder darf sich anmelden, jeder soll sich in seinem Maß beteiligen, die Sessionplanung wird Ort vorgenommen, es gibt eine Vorstellungsrunde und keine fest geplanten Keynotes. Die Kostenbeteiligung muss überschaubar bleiben – letzteres allerdings im Verhältnis zur Erwartung und Zielgruppe. Denn es gibt Zielgruppen, die eine gewisse Teilnahmegebühr erwarten, weil sie ihnen sonst „nicht wertvoll“ genug erscheint. Ich ticke persönlich nicht so, musste aber diese Erfahrung in ersten Planungsgesprächen mit der Zielgruppe bereits machen.

Ich persönlich denke, dass sich das Format weiterentwickelt und stehe der Entwicklung offen gegenüber. Die kleinen Camps eröffnen meines Erachtens sehr viel mehr Tiefe in kurzer Zeit. Auf den Punkt kommen in 45 Minuten ist hier sehr viel leichter möglich – auch der „Kontaktemarkt“ ist überschaulicher, persönlicher – die Teilnehmerzahl ist angenehm begrenzt.

Möglichst viele Menschen sollten von dem Barcampformat profitieren, ich möchte aber auch weg von der „jeder kann zu jeder Zeit überall-“ teilnehmen hin zu einer „was ist mir besonders wichtig, auf welchem Event bringe ich mich wirklich ein?“-Mentalität. Diese Menschen, die vielleicht nur ein Barcamp im Jahr besuchen, dann aber gerne „ihren Beitrag“ auch im direkten Sinne leisten. Damit die Orga gesichert ist und das hochwertige Themen-Event auch stattfinden kann. Statt über die Kostenbeteiligung der Teilnehmer zu sprechen, sollten wir Orgamenschen) uns stärker vernetzen und zusammentun, um mehr zu erreichen:

„Wir reden nicht genug über Verbesserungsmöglichkeiten auf Barcamps, während dem Barcamp. Die Session “Barcamps” sollte eine Standardpflichtsession für die Orga und Ex-Orgas werden. Simples Quality Management, ohne großen Aufwand, ohne großen Mühen, Ergebnisse, Schwachpunkte, Best Practices festzuhalten. Wo ist unser Platz, wo wir Orgas all das akumulierte Wissen von weit über 100 Barcamps aus den letzten 5 Jahren nachschauen können, stetig verbessern und anpassen können?“

Diesem starken Statement von Robert Basic ist wenig hinzuzufügen.

Außer, dass wir uns nicht an das Thema Teilnahmegebühren verhaften sollten. Es gibt wichtigere Themen zu besprechen, damit mehr Menschen von dem interaktiven Format profitieren. Der Austausch darüber, was im Kern wichtig ist für Barcamps ist ja gut und richtig.

Lasst uns doch jetzt stärker in den Dialog gehen und darüber sprechen, wie wir Orgas uns über den direkten Kontakt hinaus bestmöglich unterstützen und austauschen können. Wie wir das Format weiterentwickeln und welche Anpassungen dabei für Themencamps zu berücksichtigen sind.

Abschließend noch ein Hinweis auf die neue und übersichtliche Barcamp-Liste von Jan Theofel. Hier die Unterseite für Businessthemen.