Gastartikel: schokofisch über Social Media

Inga von ThomsenGastbeitrag von Inga von Thomsen, schokofisch | Social Media, Wort & Web:

Seit einigen Wochen unterstütze ich die dialog artists nun als freie Mitarbeiterin. Da Silke Schippmann etwas anders zur Arbeit im Bereich Social Media gekommen ist als ich, stellte sie mir dazu einige Fragen:

Du hast den Beruf des Social Media Managers erlernt. Was genau reizt dich daran, welche Skills kannst du am besten einbringen?

Einerseits bin ich ein Organisationstyp: Ich sortiere gerne Informationen, plane strategisch und recherchiere Fakten. Das kann ich ausleben, wenn ein Kunde mich um Beratung bittet, seine derzeitige Kommunikation zu analysieren.

Mir macht es Spaß, eigenes Wissen und Erfahrungen weiter zu geben: Wenn jemand anfängt zu bloggen und nicht weiß, welches Tool er wie benutzen soll, oder welche technischen Einstellungen sinnvoll sind. Wenn ich jemandem erkläre, wie ein gutes XING-Profil aufgebaut ist. Dazu zählt auch, Orientierungshilfe zu geben im Dschungel der sozialen Netzwerke und das Bewusstsein zu vermitteln, wie groß das Social Web wirklich ist und welche Vielfalt es bietet.

Andererseits texte, formuliere und schreibe ich gerne und arbeite mit Wort und Text. Schreibe ich z.B. einen Blogartikel und veröffentliche ihn dann, finde ich Feedback manchmal schwer, weil soviel Herzblut drinsteckt…

Wo siehst du deine persönlichen Schwerpunkte?

Annette Schwindt hat mal gesagt, sie sei ein Erklärbär. Diese Rolle finde ich sehr sympathisch.

Im Moment liegt mein Arbeitsschwerpunkt auf der Beratung kleiner Unternehmen: Ein-Mann-Firmen, teilweise ebenfalls Existenzgründer oder Freiberufler, die nur grobe Vorstellungen davon haben, wozu die sozialen Netzwerke gut sind. Ihnen zu vermitteln, was mich begeistert und euphorisiert an meinem Beruf, macht mir großen Spaß! Ein bisschen erinnert es mich gerade an eine Räuberleiter, wo man Hilfestellung gibt – in diesem Fall für die Welt der Social Media.

Du hast den Beruf bei der PZOK gelernt. Welche Studieninhalte waren besonders hilfreich für die Praxis, welche überflüssig?

Die PZOK selber bietet keine Kurse an, sondern nur die Zertifizierung absolvierter Ausbildungen. Dies war mir wichtig, da die Ausbildungssituation aufgrund verschiedener Möglichkeiten ja recht uneinheitlich ist.

Meine eigentliche Ausbildung habe ich zuvor am Comcave College gemacht. Dort gab es einen sehr starken Praxisbezug, und ich konnte viele Sachen direkt auf eigene Projekte umsetzen. Allerdings hatte ich auch einen sehr guten Dozenten!

Hilfreich fand ich die Verknüpfung mit dem Bereich Online Marketing, da Themen wie SEO und die verschiedenen Google Tools einfach auch für Social Media relevant sind. Als überflüssig empfand dabei nichts – ich hätte auch noch weitere Kurse besucht. Lernen kann ich nie genug!

Wo setzt du als Freiberuflerin deine eigene Marketingstrategie an? Wie wirbst du für dich, wie akquirierst du deine Kunden?  

An erster Stelle steht für mich der Aufbau eines guten und stabilen Netzwerkes bzw. das Vernetzen selber. Außerdem schreibe auch auf meinem Blog über Social Media Themen.

Auf diese Weise entstehen Gespräche – online und offline, und so mache ich mich bekannt. Im besten Fall werde ich dadurch weiter empfohlen. So passiert es, dass dann jemand offline sagt: “Ach, du bist der schokofisch!”

Außerdem erhielt ich einige Anfragen aufgrund eines Vortrags, den ich auf einem Gründerstammtisch hielt. Das würde ich gerne weiter ausbauen, und z.B. Workshops anbieten.

Im Moment denke ich über klassische Werbemittel nach, die ich immer noch für sinnvoll halte, wenn es um Kundengewinnung geht – gerade, wenn diese zurzeit noch nicht in sozialen Netzwerken unterwegs sind.

Das ist interessant: Du bist der schokofisch. Wie und in welcher Weise trennst du Berufliches und Privates?

Beispielsweise durch verschiedene Accounts in einigen sozialen Netzwerken. Auf den schokofisch-Accounts poste ich Fachliches, während der “Catcontent” hauptsächlich privat bleibt. Ausnahmen gibt es natürlich. Aber gerade bei Facebook verschieben sich die Grenzen, und ich erhalte Freundschaftsanfragen auch von eher beruflichen Kontakten. Andererseits würde ich bei XING zB keine privaten Inhalte posten, wenn sie meine berufliche Tätigkeit nicht irgendwie unterstützen.

Wie, denkst du, wird sich der Beruf des Social Media Managers in den kommenden Jahren entwickeln? Wird er durch wachsendes Online-Bewusstsein in den Firmen und Abteilungen nicht überflüssig?

Im Moment sehe ich eine wichtige Tätigkeit von Social Media Managern darin, Schwellen abzubauen und Noch-nicht-Onlinern Kontakt zum sozialen Netz herzustellen. Gerade Unternehmer in meiner Altersgruppe (also Anfang bis Mitte 40) sind oft erstaunlich unerfahren im Umgang mit den sozialen Medien und dankbar für Unterstützung. Dies wird in der Tat weniger werden, wenn die Generation Y älter wird.

Weiterhin wichtig ist und wird bleiben der der gesunde Blick von außen auf Unternehmensprozesse, ähnlich wie es Projekt- oder Interimsmanager sowie Unternehmensberater tun. Dies wird sich meiner Einschätzung nach auch nicht ändern, wenn das Online-Bewusstsein steigt. Aber wie in vielen Berufen ist auch für mich wichtig, mit der Zeit zu gehen und Neuem offen gegenüber zu stehen. Denn die Branche entwickelt sich sehr schnell: Neue Netzwerke, Plattformen und Technologien entstehen, andere verschwinden oder werden aufgekauft. Einiges von dem, was ich vor einem halben Jahr als neu kennen lernte, existiert heute schon nicht mehr…

Daher bin ich insgesamt gespannt darauf, wie sich dieser Beruf und mit ihm auch die Benutzung und Durchsetzung sozialer Medien entwickelt – und wo wir in zehn Jahren stehen.

Vielen Dank für deine Antworten, Inga!

Sehr gern – vielen Dank zurück an dich, Silke, für die Fragen – über die ich zum Teil länger sinniert habe, und die dadurch zu guten Gedankenanstößen wurden. Und auf den weiteren Austausch freue ich mich!