Den Bock zum Gärtner machen

Oder:  Warum man nicht seine aktivsten und besten Mitglieder zu Moderatoren machen sollte. Wenn ich eines gelernt habe in vielen Jahren der Forenmoderation ist das eines:

Mache dein aktivstes Mitglied nicht zum Moderator. Aktive Mitglieder sind nicht automatisch das gleiche wie ein guter Moderator.

RollenAktive Mitglieder schreiben gerne, produzieren Beiträge, sie haben eine Meinung und polarisieren auch gerne mal. Sie dienen der Community als Vorbild, was das aktive und kontinuierliche Schreiben und Diskutieren betrifft. Von ihnen gibt es mehrere und sie werfen sich die Bälle zu. Sie werden gerne gelesen und der Applaus ist ihnen sicher. Um die „Pöbler“ im Publikum und strukturelle Fragen des Forenaufbaus können und wollen sich solche Akteure in der Regel nicht kümmern. Aktive Mitglieder sind Experten und häufig auch Individualisten. Sie wollen sich Ausdruck verleihen und im Idealfall: Beifall ernten.

Ein guter Moderator hält sich dagegen weitgehend zurück. Er motiviert eher, als dass er selber schreibt. Er wirkt häufig im Verborgenen und er tut das auch gerne. Er kennt sich aus mit der Forentechnik, regelt Sichtbarkeit und die tagtäglichen Wünsche seiner Mitglieder. Der Moderator selbst muss nicht gut schreiben können. Er sollte aber diplomatisch sein und sich leicht in andere Menschen hineinfühlen können. Findet er die Worte, dann sind es passende und treffende. Wenn er mal was schreibt, dann erhält er auch die volle Aufmerksamkeit. Der Moderator ist die gute Seele des Forums. Er kann aber auch durchgreifen, wo es nötig ist. Oftmals bildet er die ideale Schnittstelle zu den Betreibern einer Community. Er tauscht sich mit anderen Moderatoren aus und ist hier der ideale Teamplayer. Beifall ist ihm nicht so wichtig, es ist ihm lieb, wenn alles rund läuft und „seine Leute“ zufrieden sind. Ihr ahnt, worauf ich hinaus will?

Richtig, macht den Bock nicht zum Gärtner!

Verschenkt nicht das Potential aktiver Mitglieder, die ihr in eine Rolle zwängt, die nicht zu ihnen passt. Denn zum einen verschenkt ihr damit wertvolles Kapital, zum anderen sind gewisse Probleme meist vorprogrammiert.

Was tun, wenn ein Mitglied aber nun unbedingt Moderator werden will? 

Sprecht mit diesem Mitglied, fragt genau nach, warum er oder sie moderieren möchte und vereinbart eine Probezeit zum gemeinsamen ausprobieren. Seine oder ihre Rolle in der Community wird sich durch den Rollenwechsel zwangsläufig verändern. Als quasi „Führungskraft“ mit Sonderrechten trägt er gleichsam andere Pflichten. Er oder sie wird auch nicht mehr zwingend als Teil der Community wahrgenommen, sondern häufig eher als Mittler – zwischen den Mitgliedern untereinander, aber auch zwischen Betreiber und Mitglieder.

Selbst wenn es einem gerade in einer neuen oder noch wachsenden Community wichtig ist, die aktiven Mitglieder einzubinden: Werdet euch bewusst darüber, welchen hohen Wert ein aktives Mitglied in seiner Rolle bereits einbringt. Dieser Wert wird sich erfahrungsgemäß nicht steigern, wenn ihr dem Mitglied jetzt eine weitere Rolle aufdrückt. Deswegen:

Lieber umsehen nach den eher stillen, moderaten (!) dabei aber höchst diplomatischen und ehrlichen Mitgliedern,  die das Signal senden, mehr tun zu wollen in der Community.

Hier gilt es, zu informieren, Hilfestellung zu bieten (gerade in der Anfangszeit) und zum Einstieg zu motivieren. Diese Persönlichkeiten sind oftmals die schönsten Perlen in der Onlinemoderation. Diese gilt es, zu identifizieren und mit ins Team zu holen.